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ABBA sicher - Mamma Mia - der Film

Heute war mal wieder Kino angesagt: Mit einer Einladung zur Presse-Vorab-Vorführung ging's zum Cinestar am Potsdamer Platz in Berlin von "Mamma Mia!". Sicherheit wurde diesmal groß geschrieben. Kein Mobiltelefon oder anderes technisches Gerät durfte mit in den Kinosaal. Wie am Flughafen wurde jeder einer Leibesvisitation unterzogen und "abgepiept".

Mamma Mia!

Sehr angenehm ging es ohne Vorwerbung direkt los. Das Staraufgebot ist beeindruckend: Neben Meryl Streep als Mutter sind Pierce Brosnan, Colin Firth und Julie Walters zu sehen, sowie perfekt für die Rolle als Stöckeldame: Christine Baranski.

Wie zu erwarten war, schallen mitreißende Klassiker wie "Dancing Queen" oder "Take a Chance on Me" durch den Saal und lassen Stimmung aufkommen. Als jedoch Mr. Bond, James Bond, Pierce Brosnan anfängt, zu singen und dabei eine weinerliche Miene zu ziehen, muss ich enorm schmunzeln und überlegen, aus welcher Ecke gleich der Bösewicht geprescht kommt, um die Idylle zu zerstören.

Beeindruckt hat mich die nahtlose Integration der Musiktitel in die Handlung des Films. Sehr passend wurden diese vorgetragen. Gerade am Schluss des Films wurden alle Glitzer-Kostüm-Register gezogen und die drei Damen legten eine fesche Sohle auf's Parkett. Noch witziger wurde es allerdings, als die drei Herren ihren Auftritt erhielten und in blauem Glitter mit freiem Bauch/Oberkörper auf die Bühne staksten.

Wer die Musik so gar nicht mag, ist sicher völlig fehl am Platz in diesem Film. Allen anderen kann man den Kinobesuch nur empfehlen. Schwungvoll und variantenreich wird eine einfache Geschichte musikalisch untermauert und durch kecke Sprüche und gute Mimiken verfeinert.

Wie gut drauf das Publikum war, liess sich an dem Beifall und den Rufen nach einer Zugabe bei dem besagten Schluss-Titel ausmachen. Als wäre es schon die von den Medien gewünschte interaktive Zukunft machte es den Anschein, als würden die Darsteller die Aufforderung des Publikums hinterfragen und legten sich anschließend für den letzten Titel ins Zeug.

Einen kleinen Kritikpunkt noch zuletzt: die Ausleuchtung ist teilweise sehr unnatürlich gelungen, da hätte ich bei der heutigen Technik mehr erwartet...

Danke für diesen heiteren Abend!

Da ich nicht alleine unterwegs war, folgt nun eine zweite Einschätzung:


Mamma Mia und kein Boom.

James Bond singt S.O.S. - das gibt es so nur im Film "Mamma Mia", der am 17.07.2008 in den deutschen Kinos startet. Ich habe heute die Vorpremiere in der Originalfassung gesehen.

Zu allererst, mein Englisch ist miserabel, hundsmiserabel. Meine musikalische Leidenschaft für schwedische Musik - speziell für Abba ist dafür riesig. Und auch vorab - der Film tat dem kein Abbruch.

Viele Wortpointen sind leider an mir spurlos vorbeigegangen, das Kino lachte, ich nicht - mangels Sprachkenntnissen. Dafür habe ich erstmals sehr bewusst und intensiv die Texte der Songs wahrgenommen. Die Story ist dem Musical "Mamma Mia" entnommen worden. Soweit also keine großartige Überraschung, wenn man Musical beziehungsweise die Story dazu kennt; diese jetzt in kurzer Zusammenfassung:

Mutter Donna (Meryl Streep) vergnügt sich mit drei Kerlen. Die daraus resultierende Tochter Sophie (Amanda Seyfried) will 21 Jahre später heiraten und findet vorher das Tagebuch der Mutter. Also beschließt die Tochter, alle drei potentiellen Väter zur eigenen Hochzeit einzuladen. Die Mutter weiß natürlich nichts davon. Was nun folgt ist Komik, Herzschmerz, Irrungen beziehungsweise Wirrungen und viel Musik. Ebenso natürlich das Happy End.

Die interessanteste Rolle für mich war wirklich die des "Sam", gespielt von Pierce Brosnan als einer dieser Väter. Ist er doch für mich "der" James Bond, da "Goldeneye" mein erster James Bond-Film war. So war es urkomisch, gerade ihn mit liebesverschmerztem Gesicht "S.O.S." singen zu sehen und zu hören. Und irgendwie war da die innere Stimmung, die die ganze Zeit auf "Er springt von der Klippe und alles geht mit einer großen Explosion in Schutt und Asche auf", wartete. Dem ist natürlich nicht so - schließlich geht's hier um eine andere Story.

Auch Meryl Streep - mir aus der Erinnerung aus dem Film "Die Teufelin" bekannt, wirkt für mich in diesem Film so fremd und so abstrakt. Sie singt und trällert, sie rollt sich auf dem Boden, ist nicht durchgängig hochnäsig adrett gekleidet und geschminkt. Sie hat in diesem Film bei mir viel Sympathie gewonnen.

So war ich angenehm überrascht, dass es Hollywood-untypisch Schauspieler - hier neben Meryl Streep und Pierce Brosnan auch Christine Baranski oder Julie Walters - gab, die Vater, Mutter oder Freundin mit entsprechendem Alter darstellten durften. Ist doch sonst eher die Mutter in den meisten Filmen ähnlich alt wie die Tochter.

Christine Baranski (Tanya) - die ich so schon aus der TV-Serie "Cybill" kenne - hatte hier eine ganz ähnliche Rolle als reiche, Cocktail-trinkende Freundin, dazu aber noch sehr komische Gesangs- und Tanzeinlagen. Und einige auch mit der "Billy Elliot"-Tanzlehrerin Julie Walters (Rosie) zusammen. Hier einmal ein großes Lob, sie hat die leicht "durchgeknallte" Freundin hervorragend gespielt.

Amanda Seyfried (Sophie) als junge, hübsche Tochter hatte hier natürlich auch eine tragende Hauptrolle, ging aber sicherlich aufgrund der berühmten Schauspieler ein wenig unter. Mir war sie bisher unbekannt, ich denke sie kann nun durchaus eine große Karriere starten.

Ungewöhnlich fand ich durchweg die Beleuchtungseffekte im Film. Sie erinnerten mich stark an den Film "Die Truman-Show" und dem damit verbundenen "Groß"-Studio. Es wirkte immer, als ob riesige Stadion-Scheinwerfer die Szenen von oben ausleuchteten. Die Lichteffekte waren mir persönlich zu unnatürlich, aber vielleicht sind ja in Griechenland die Lichtverhältnisse so. Auch die Kameraführung unterscheidet sich teilweise von anderen klassischen "Happy-End" Filmen. So empfand ich es als sehr befreiend nicht nur die Nahaufnahme - das Gesicht - der Schauspieler zu sehen, sondern auch den kompletten Menschen sowie die Umgebung.

Fast zum Schluss: Abba-Lieder zu Singen und in "gewohnten" Abba-Klängen wiederzugeben, soll nach wissenschaftlichen Studien sehr schwer bis unmöglich sein. Agnetha und Anni-Frid sollen wohl jeweils eine sehr "ausgeprägte" Stimme haben und auch die Abmischung der Stücke ist wohl so nur mit der damaligen Technik möglich.

Und auch dieser Film zeigt deutlich, dass die Stücke nur neu interpretiert werden können - sie kommen nicht ans Original. Sie sind deswegen nicht schlecht - so sind alle Stücke erkenn- und auch "mitsingbar". Für mich überraschend im Film war, das es doch so viele Abba-Stücke gibt. Dies wurde mir erst in diesem Film so richtig bewusst, auch wenn mein iTunes-Bibliothek mehrere Alben von Abba kennt. So gibt es scheinbar für jede Stimmung einen passenden Titel.

Zum Schluss: Ich werde mir den Film ganz sicher auch noch einmal in der synchronisierten deutschen Fassung anschauen. Ob die Musikstücke dann auch synchronisiert sind, kann ich nicht sagen. Empfehlenswert ist der Film aber auch auf jeden Fall in der Originalfassung - alleine James Bond mit S.O.S. ist es wert.

iiji